Der Kreis-Meister-Guide

Der Kreis-Meister-Guide komplettiert die Trainingskarten. Während die Trainingskarten die Praxis darstellen, ist der Kreis-Meister-Guide die dazugehörige Theorie. In ihm kannst du alle relevanten Hintergründe und Details zu den jeweiligen Übungen nachlesen und findest viel Wissenswertes zum Kreis-Meister-Konzept, zum praktischen Aufbau des Meister-Kreises und zum Umgang mit den Trainingskarten. 

Alle 30 Übungen der Trainingskarten entspringen acht Trainingsschwerpunkten. Sie bauen logisch aufeinander auf und werden zunächst einzeln und nacheinander trainiert, um sie später sinnvoll miteinander zu kombinieren. Die acht Trainingsschwerpunkte sind:

 

  1. Die Wendungen – Mobilisierung von Vorhand oder Hinterhand. Der Fokus liegt jeweils ausschließlich auf einer Körperpartie.
  2. Die Fächer – Mobilisierung von Vorhand und Hinterhand mit Schwerpunkt auf einer Körperpartie.
  3. Übertreten und Co. – Mobilisierung von Vorhand und Hinterhand. Der Fokus liegt auf beiden Körperpartien gleichermaßen.
  4. Die Kombinationen – die Übungen aus den Kapiteln 1 bis 3 werden sinnvoll miteinander kombiniert, um den Umgang mit dem Körperschwerpunkt nach rechts und links zu schulen.
  5. Die Rückwärtsbewegungen – der feine Umgang mit der Verlagerung des Körperschwerpunktes des Pferdes von vorne nach hinten.
  6. Gebogene Linien – Verbesserung der Längsbiegungsfähigkeiten. Der Fokus liegt auf der Verbesserung des funktionalen Zusammenspiels der Muskulatur, der verbesserten Lastaufnahme des jeweils inneren Hinterbeines sowie der Verbesserung der Schubkraft des jeweils äußeren Hinterbeines.
  7. Übergänge und Tempiwechsel – ausgewogene Entwicklung von Schubkraft und Tragkraft unter Erhalt der Balance des Pferdes in unterschiedlichen Gangarten und Tempi.
  8. Die Arbeit auf dem Quadrat – Überprüfung der geraderichtenden Biegearbeit und Verbesserung der Lastaufnahme auf beiden Hinterbeinen.

Jeder dieser Schwerpunkte hat im Kreis-Meister-Guide sein eigenes Kapitel, sodass du schnell auf das für dich wichtige Thema zugreifen kannst. In den jeweiligen Kapiteln werden die Übungen nach den folgenden Kriterien untersucht und besprochen:

 

Die Übung aus Sicht der Reitlehre

Die Reitlehre liefert das Basiswissen, das wir brauchen, um eine Übung sinnvoll ausführen zu können. Die Sicht der Reitlehre betrachtet alle Aspekte der Übung im Hinblick auf das „Wie“, das „Warum“, das „Was“ und das „Wann“. Wie funktioniert die Übung? Warum reitet man sie und was erhofft man sich durch sie für die Ausbildung des Pferdes und des Reiters? Die Reitlehre liefert uns alle Erklärungen darüber, welchen Stellenwert die verschiedenen Übungen in der Reitpferdeausbildung haben, welche Voraussetzungen bei Pferd und Reiter gegeben sein müssen, aus welchen Bestandteilen sich die jeweilige Übung zusammensetzt und wie sie in die Ausbildungssystematik passt. Zu welchem Zeitpunkt sollte sie in den Trainingsplan einfließen? Welche Auswirkungen hat sie auf das Pferd? Welche Schwierigkeiten könnten Reiter und Pferd begegnen?

Die Antworten auf diese Fragen helfen dabei, wichtige und weitreichende Entscheidungen verantwortungsbewusst treffen zu können, und sie schützen davor, blindlings drauflos zu trainieren und dabei sich selbst und sein Pferd zu überfordern. Schau hierzu auch in der Leseprobe zu Kapitel Nr. 2 vorbei.

 

Die Übung aus Sicht der Biomechanik

Die Biomechanik erklärt uns, was im Inneren des Pferdes passiert, während es eine Übung ausführt. Welche Knochen, Gelenke und Muskeln sind beteiligt? Wie hängen sie zusammen und wie bedingen sie sich in ihrer jeweiligen Funktion? Was passiert, wenn der Körper dysfunktional arbeitet? Wie erkenne ich Bewegungsfehler und welche Auswirkungen haben sie?

Der Muskulatur kommt hier eine besondere Bedeutung zu, denn sie ist es, die die Gelenke beugt und streckt, die durch Elastizität Bewegung ermöglicht und die in kontrahiertem Zustand die Stärke- und Kraftleistung eines Pferdes bestimmt. Mit Muskelketten ist es so ähnlich wie mit einer Reihe Dominosteine: Wenn ein Stein schief steht, funktioniert die ganze Reihe nicht mehr. Alle beteiligten Muskeln müssen in der Lage sein, die gestellte Aufgabe zu erfüllen. Deswegen darf ich als Reiter mein Trainingsziel auch stets nur so ansetzten, dass es dem Trainingszustand der Muskulatur meines Pferdes entspricht. Alles andere kann weitreichende negative Folgen haben, wie z. B. die Bildung von kompensatorischer Muskulatur, um schwache Partien zu unterstützen, die Rückbildung der Muskulatur durch Überforderung (Muskelatrophie), die Verletzungen von Muskeln, Sehnen oder Gelenken durch Überlastung und/oder Schwäche, die Entstehung von Verkrampfungen und Verspannungen durch Fehlbelastung und die Entwicklung von Fehlbewegungen und Schon- und Kompensationshaltungen.

Neben den wichtigen gesundheitlichen Aspekten dieser äußerlich oft nur schwer zu erkennenden Zusammenhänge, sind biomechanische Abläufe natürlich auch dafür verantwortlich, ob eine Übung gelingt oder nicht. Die Kenntnis der Biomechanik ermöglicht es dir, Fehler zu vermeiden und die Lernschritte deines Pferdes so sinnvoll aufeinander aufzubauen, dass du Problemen und Stillständen in der Ausbildung vorbeugen kannst. Sollte es doch einmal Schwierigkeiten oder Missverständnisse geben, hilft dir die Biomechanik dabei, diese Probleme zu ihrem Ursprung zurückverfolgen zu können und durch geeignete Lösungswege zu beheben.

 

Die Übung aus Sicht der Geometrie – eine bessere Linienführung durch innere Bilder

Der Begriff Geometrie wird heutzutage hauptsächlich mit der Mathematik verbunden und bezeichnet dort die Lehre, die sich mit Punkten, Figuren und Körpern, Geraden und Ebenen, Linien und Flächen und natürlich deren Berechnung beschäftigt. Ich finde den Begriff auch für die Reiterei sehr passend, weil man mit ihm z. B. klar erkennbare Linien und Figuren verbindet, die gleichförmig, regelmäßig und akkurat sind. Die genaue räumliche Vorstellung der zu reitenden Linien und Hufschlagfiguren (die sich übrigens alle aus den klassischen Grundformen wie Kreisen, Ellipsen, Quadraten, Hyperbeln, Dreiecken oder Rauten zusammensetzen lassen) ist ein entscheidender Baustein für deren Gelingen, denn je exakter dieses innere Bild ist, umso exakter wird die Ausführung der Übung sein. Deswegen habe ich jede Kategorie, soweit es sinnvoll ist, auf ihre Geometrie und die daraus entstehenden Gesetzmäßigkeiten hin betrachtet.

 

Die Übung aus Sicht des Reiters – die Hilfengebung

Die Hilfengebung ist eine der tragenden Säulen einer Übung und daher von immenser Wichtigkeit. In diesem Abschnitt erläutere ich dir ganz genau, wie du die jeweilige Übung durch deine Hilfen einleitest, wie du sie begleitest und wie du sie beendest. Ich erläutere die Hauptfehler, die durch falsche Einwirkung und falsche Hilfengebung entstehen können und gebe dir Tipps, wie du diese Fehler vermeiden kannst.

Zum Thema Hilfengebung wirst du in fast jedem Kapitel den gleichen Satz finden: "Ohne Timing keine Hilfe!“

Ich möchte damit unterstreichen, wie entscheidend wichtig der richtige Zeitpunkt für die Hilfengebung ist. Es ist nicht nur entscheidend, was du tust, also z. B. einen Schenkel anzulegen, das Gewicht zu verlagern oder eine Zügelveränderung vorzunehmen, sondern es ist von mindestens genauso großer Bedeutung, wann, also in welchem Moment des Bewegungsablaufes, du es tust. Entwickelst du ein Gefühl für den richtigen Moment, kannst du mit einem Minimum an Kraft das Maximum an Ergebnis erreichen.

 

Mögliche Probleme und deren Lösungen

Bei der Ausführung einer Übung kann vieles schief gehen. Zu jeder Übung zähle ich deshalb die häufigsten Fehler auf und erkläre dir genau, wie, du sie beheben kannst. Sollte die Hilfengebung die Ursache sein, gebe ich Dir Tipps zu deren Verbesserung. Wenn Trainingslücken oder eine unvollständige Vorbereitung der Grund für den Fehler sind, so nenne ich dir genau die Übungen, die du trainieren musst um diese Lücken erfolgreich zu schließen. Wie das aussehen kann, zeigt dir die Leseprobe von Kapitel Nr. 1.